Unwetterdramaturgie
Das was ich heute erlebt habe, ist mir selten zuvor in solch einer Extremität widerfahren. Mittags noch wunderschöner blauer Himmel, der keine Vorahnungen und Vorhersagen auf solch einer Unwetter zuließ. Gegen Nachmittags hatte ich dann spontan geplant mich noch etwas zu sonnen, als ich zum ersten Mal diese Wolken sah.
Das Schicksal bahnt sich an
Ja genau, keine 15 Minuten vorher war es noch einer der schönsten Tage des Jahres gewesen, weshalb ich in der abgedunkelten Wohnung nicht bemerken konnte, dass das längst nicht mehr die reale Gegenwart ist. Wären es aber nur diese Wolken und ein wenig mitgebrachter Regen gewesen, dann würde ich bestimmt nich darüber schreiben
.
Nein, innerhalb weiterer 10 Minuten zeigte das aufziehende Gewitter seine erste brachiale Gewalt. Vorerst zu einem normalen aber dennoch starken Wetterwandel mutiert, ließ sich das bevorstehende “Katastrophenwetter” immer noch nicht in dieser Gewaltexzession erahnen. Nachdem die ersten Maßnahmen getroffen wurden, um den in diesem Moment schon starken Sturm zu trotzen, ging es richtig los. Man hört oft im Fernsehen wie Dächer abgedeckt werden, Keller volllaufen und Bäume ausgerissen werden. Doch keines der genannten Beispiele trat bisher, in meinem noch jungen Alter, ein. Bis zu diesem Zeitpunkt.
Hilflosigkeit macht sich breit
In meinem Zimmer gefangen, knallte der “Regen” gegen den Rolladen und erzeugte einen Lärmpegel der nicht natürlich war. Wie ich es mir anfangs nur denken konnte, zeugte sich nachher in eindrucksvoller Gewissheit, dass dieser “Regen” aus Hagelkörnern in der Größenordnung von, in der Größe nochmals gewachsenen, Erbsen bestand. Zu allem Übel zeigten sich die Ausmaße des Sturmes auch in Form eines kompletten und sechsstündigen! Stromausfalles. Und wie sich ernüchternd herausstellte, auch nur in unserem etwa 4000 Einwohner zählenden Dorf.
Das Ausmaß zeigt sich
Nachdem nun der Sturm soweit abgeklungen war, gestikulierten unsere Nachbarn, dass etwas mit unserer Hauswand nicht stimme. Um den Andeutungen nachzugehen mussten wir einen Umweg über die Frontseite des Hauses machen, wo sich ein weiteres Problem zeigte – einige Ziegel unseres Daches lagen zerbrochen auf der Hauptstaße und mussten sofort beseitigt werden, womit auch schon die Aufräumarbeiten anfingen. Jetzt hatten wir endlich Zeit die Hauswand zu inspizieren und in einem kleinen Schock endete: Stellenweise bröckelte auf der Südseite des Hauses der Verputz komplett weg. In Erstaunen versetzte uns aber vielmehr die Tatsache, dass fast unser kompletter Hof mit einer mindestens 10cm hohen Hagelschicht überzogen war. Aufgrund der Fernsehberichte wagte ich einen Blick in unseren Keller und wurde direkt mit meinen schlimmsten Erwartungen konfrontiert. 20cm hohes Wasser…
Unvergesslich
Auf dem Spitzenplatz der größen Sturmschäden landen wir wahrlich nicht, zum Glück, aber schon dieses Unwetter zeigte mir mit vollem Respekt die Kraft der Natur. Das Schauspiel an sich kam dem sprichwörtlichen “Weltuntergang” schon sehr nahe.
Das zeigte mir aber in erschreckender Weise wieder, dass wir handeln müssen. Ob die Klimaerwärmung nun von Menschenhand gemacht ist oder es nur ein “normaler” Klimazyklus ist, bis wir das mit vollster Gewissheit sagen können, müssen wir davon ausgehen, dass es menschengemacht ist und versuchen im gleichen Zuge die Ursachen zu bekämpfen. Denn umweltverträgliches Handeln zeigt sich längst nicht nur bei der Klimaerwärmung. Gesundheitsgefährdende Abgase oder strahlender Atommüll schränken auch unsere Lebensqualität ein.
Doch auch die Unfähigkeit des “Reperationstrupps” der Stromleitungen, der geschlagene 6Stunden! für die Reperatur benötigte, wobei wie bereits erwähnt, alle Nachbardörfer Strom hatten, oder der Planungsbehörde, die einen nicht hinnehmbaren Planfehler in der Systemauslegung gemacht hat, sollte nicht in Vergessenheit geraten. Denn es muss doch möglich sein, das Stromnetz von mehreren Seiten speisen zu können und nicht nur von einer, wie es dem Anschein nach vorgesehen ist.




