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Der Amoklauf aus einer anderen Perspektive

Der normale Ablauf einer solchen gesellschaftlichen Schandtat ist doch der, dass nun sofort wieder darüber diskutiert wird, wie so etwas eingedämmt und in Zukunft erfolgreich verhindert werden kann. Das ist soweit natürlich auch richtig. Aber macht es wirklich Sinn die Symptome zu behandeln?

Die etwas andere Sichtweise – Ursachen

Meiner Meinung nach sollte man hier einmal die Gesellschaft als ganzes System sehen. Das System setzt sich nun aus den Bestandteilen zusammen, den Menschen, und umschließt jeden, auch den Amokläufer, selbst wenn dieser von vielen nach solch einer Tat nicht mehr zwangsläufig als eine Person der Gesellschaft oder überhaupt der Spezies Mensch zugerechnet wird. Nun ist es so, dass diese Gesellschaft in den letzten Jahren durch mehrere Faktoren – die ich so nicht alle nennen kann, da ich kein Spezialist auf diesem Gebiet bin – geschwächt und teilweise zerstört wurde. Ein Beispiel ist etwa der Terrorismus, der die Gesellschaft mit einem alltäglichen und anhaltenden Angstgefühl versehen hat.

Wie jedes System, bekannt vom eigenen menschlichen Körper, zeigt nun Symptome, wenn dieses kränkelt. Und genauso ist es mit unserer heutigen Gesellschaft. Sie kränkelt an jeder noch so erdenklichen Ecke und an jedem Ende.

Die Wirtschaftskrise, als Beispiel eines weiteren aktuellen Faktors, wird nun einen 17 jährigen wohl weniger dazu bewegen, einen Amoklauf zu begehen, aber dennoch ist solch eine Wirtschaftskrise nur einer von vielen Faktoren der zerstörend auf eine solch instabile Gesellschaft wirkt. Diese Zerstörung kann direkte Folgen haben(Angstgefühle) oder aber kann von 3. an diese Person weitergegeben werden: In einer sich auflösenden Gesellschaft, unmittelbar mit der Wirtschaft verbunden, da die Bestandteile der Gesellschft diese leiten, versucht jeder selbst das Maximum aus seinem “Leben” herauszuholen und gleichzeitig einem anderen größtmöglichen Schaden zuzufügen -> Mobbing o.ä.

Die Funktion der Medien

Für mich persönlich wichtig ist es auch die Stellung der Medien anzusprechen, da diese primärer Überbringer aller Informationen sind. Extrasendungen mehrere Stunden am Stück und in jeder 2. Nachricht vom Amoklauf zu berichten ist kontraproduktiv. Nachahmer werden so nur bestärkt in ihrer beabsichtigten Tat und die “normalen” Menschen werden wieder in die alltägliche und allgegenwärtige Angst getrieben. Als ein falscher Ansatz. Aber das sind die Medien, ob öffentlich-rechtlich oder nicht, sie versuchen aus jedem Ereignis Profit zu schlagen, egal zu welchem Preis.

Maßnahmen

Falsch wäre es nun wieder die Schuld in Ballerspielen oder sonstigem zu suchen. Solche Gegenstände sind immer nur Auslöser, Beschleuniger oder Hervorbringer. Grund einer solchen Tat sind sie nie. Zudem würde es nicht bringen sie zu verbieten, denn erreichbar sind sie doch heutzutage immer, Filesharing sei “Dank”. Richtig anzusetzen wäre hier nur bei der Gesellschaft oder der Prävention auf  geistiger Ebene. Maßnahmen à la Überwachungen der Schule oder eine Verschärfung des Waffenbesitzes sind nur sekundär effektiv, da ein gewillter Mensch immer einen Weg findet seine Tat zu begehen -> Der Wille weist den Weg.

Fazit

Ich wollte eigentlich garnicht so sehr auf das aktuelle Geschehen eingehen, sondern viel mehr einmal allgemein aufzeigen, von welchen Standpunkten man ein solches Thema noch angehen kann, denn solch ein Thema ist längst nicht so einfach gestrickt und somit zu verstehen wie man zunächst annimmt. Natürlich verstehe ich das selbst auch nicht ganz – ich bin leider kein Psychologe – aber dennoch versuche ich aus solch einer Situation immer wichtige Dinge zu abstrahieren und Gesetzmäßigkeiten/Ursprünge zu finden und niemals voreilige Schlüsse zu ziehen. Bei diesem Thema komme ich deswegen zu dem Schluss, dass ein Fall dieser Art nur eine Erscheinungsform/Auswuchs der aktuellen Missstände und hier nichts weiter als ein Symptom einer kränkelnden Gesellschaft und nur nebensächlich eines gestörten Jugendlichen ist. Der Amoklauf ist also nur eine von vielen Erscheinungsformen/Symptomen.

4 Comments

  1. Sven sagt:

    Ich war geschockt. Ich weiß auch nicht, aber irgendwie weiß ich nicht mehr wo ich hier lebe. Die Welt ist einfach hart und grausam. Wenn man bedenkt, was die Leute da jetzt mitmachen müssen und wie es denen geht, dann bin ich ehrlich gesagt sehr froh, dass ich nicht in dieser Lage bin. Ich wünschte mir sehr, dass man auf solche Sachen verzichten könnte.
    Auch wenn Sie sagen, dass es nur ein Symptom ist aber ich glaube, dass man auf so eines wirklich verzichten kann oder nicht?

  2. Alex H. sagt:

    Hallo Sven,
    Natürlich ist sowas IMMER schlimm und natürlich können wir darauf verzichten, eine Welt ohne diese Geschehnisse wäre um Längen erträglicher als die jetzige, das steht AUßER Frage.
    Nur wie beseitigen wir dieses Symptom, das ist die Frage. Gegegebn/Realität ist es, das haben wir leider Gottes gestern alle erfahren müssen. Aber wieso ist es passiert, was war der Auslöser, bei dieser Frage muss man ansetzen und erst wenn das nicht gelingt in einem 2. Schritt – Wie können wir handeln wenn so etwas wieder passiert.
    Das ist wie unser Wirtschaftssystem: Das Wirtschaftssystem ist so “konzipiert”/darauf ausgelegt, dass man Krisen mit einplant. Also wen wundert es da das Krisen entstehen? Möchte man das in Zukunft verhindern muss das System geändert werden und nicht nur eine einzige Stellschraube des “infizierten” Systems, das bewirkt GARNICHTS. Und hier ist es gleich.

    Ganz ehrlich, jeder wartet doch auf den nächsten Amoklauf oder? Weil wir wissen es geschieht wieder, wenn nicht hier dann wo anderst. Und das weil die Auslöser, die in der Gesellschaft meiner Meinung nach zu suchen sind, noch lange Zeit existieren werden.

    Traurig aber wahr.

    Gruß Alex

  3. elexpress sagt:

    Hallo,
    ein wirklich sehr ausführlicher und informativer Artikel!
    Jeder nimmt es auf und jeder weiß es im stillen, doch wenn man sich so die Funktion der Medien vor Augen führt fragt man sich doch wie krankhaft die Gesellschaft sich verändert hat.

    Anschließend wird in Sendungen die ebenfalls wieder verkauft werden berichtet wie sehr sich die Reporter angestrengt haben alle Infos zu ergattern die es gab.

    Man sollte nicht versuchen Täter an Ihrer Tat zu hindern, sondern daran ansetzen, Menschen nicht zu Tätern werden zu lassen!

  4. Alex H. sagt:

    @ elexpress
    Ganz genau das ist es auch was ich damit ausdrücken wollte.
    Heute, egal in welchem Bereich(ein sehr gutes Beispiel ist die Finanzkrise), werden immer nur die Symptome behandelt, selten einmal die wirklichen Ursachen.
    Da stellt sich mir die Frage, ist nahezu jedes System heutzutage so komplex um die Ursachen nicht mehr herausfinden zu können oder ist es auf kurze Sicht billiger nur die Ursachen zu behandeln? Was aber meistens nach hinten losgeht und Unmengen an Geld verschwendet für nichts.
    Aber ich denke es ist eine Mischung aus beidem. Nur sehr wenige verstehen heutzutage wirklich im Detail wie die Immobilien – Finanz/Wirtschaftskrise ausgelöst wurden. Und ebenso verschluckt es derzeit auch Unmengen an Geld die als mögliche Ursachen ermittelten Fehlparameter auszumerzen. Wir können nur hoffen das das besser wird und ebenso wie beim Thema Umwelt, nachhaltiger und bedachter gedacht/gehandelt wird.

    Gruß Alex

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